Das aktuelle Technikfoto – Casio FX-602P

Das aktuelle Technikfoto – Casio FX-602P

Aktuell, naja das ist so eine Sache.

Aktuell stimmt insoweit, als der abgebildete freundliche programmierbare Taschenrechner Casio FX-602P gerade vor mir liegt und so prima funktioniert, als wäre er gestern im Laden gekauft worden. Aktuell ist auch, dass der noch kurz vor dem Foto in mehreren Einzelteilen auf dem Schreibtisch ausgebreitet lag und auf seine Reinkarnation gewartet hat, das Alu Gehäuse hatte sich vom Inhalt abgelöst und die Teile wollten wieder zusammengefügt werden; das hat ja auch prima geklappt und nun sieht er fast neu aus. 

Alles Weitere ist Geschichte und weit weg. Der Rechner kam 1981 auf den Markt, da gab es zwar schon was Programmierbares von Texas Instruments und von HP, aber der FX-602P war dann doch etwas revolutionär, der hatte nämlich endlich ein batteriefreundliches LCD Display anstelle der (wirklich schicken) LED Leuchtanzeigen der Konkurrenten, für die damaligen Verhältnisse reichlich Speicherplatz und der war sogar noch aufteilbar in „normalen“ und Programmspeicher, je nach Bedarf. Dazu gab gibt es auf dem FX-602P selbstverständlich als wissenschaftlicher Rechner alle möglichen gängigen und auch selten genutzte mathematische Funktionen in erster Ebene oder mit der Umschalttaste auf der zweiten Ebene erreichbar, die man sich nur wünschen kann. Als Besonderheit obendrauf bietet die Anzeige nicht nur Zahlen sondern reichlich alphanumerische Zeichen, mit denen man Variablen benennen kann oder Ausgabewerte mit Text umschreiben kann, damit sind die Rechenergebnisse aus Programmen nicht so dröge, sondern man stellt dann das Ergebnis in Textform dar z.B. „Anzahl der Bierflaschen: 12 Stück“ anstelle von „12“, das ist doch mal was. 

Und was soll das mit dem Taschenrechner hier? 
Den hatte ich mir gleich am Anfang vom Studium geleistet, Geld war sowieso immer knapp damals, aber ein gscheiter Rechner war kein Luxus, sondern unabdingbar (eh klar für den Technikfan, gelle) und weil mich Programmieren schon immer mehr interessiert hat als Mathematik, war ganz klar, das Ding muss her. Mit zwei Batterien Typ CR2032, die scheinbar ewig gehalten haben, dazu eine nette Klapptasche dazu, in der auch gleich die wichtigsten Programmverzweigungen dargestellt waren, war man für das bischen, was es beim Studium tatsächlich zu rechnen gab, schon mehr als reichlich gut ausgerüstet. Mit dem spielerischen Programmieren an dem Teil liessen sich Stunden verbringen (Zeit war ja mehr als Geld vorhanden) und von dem Lerneffekt dabei hab ich immer wieder profitiert. 

Der FX-602P hat mich dann nach dem Studieren noch an die vierzig Berufsjahre hindurch begleitet, immer funktioniert, äusserst selten mal zwei neue Batterien angefordert und so ganz nebenbei ging das smarte Erscheinungsbild bei mir als Technikverliebtem fast als Handschmeichler durch. 

Dass man auf so ein Teil etwas aufpasst und den nicht ganz unten zwischen Butterbrotdose anderem Sammelsurium erst im Schulranzen oder später in der Bürotasche rumflattern lässt, finde ich selbstverständlich, ganz abgesehen davon, dass der ja mal selbstverdientes Geld gekostet hat. (Am Rand bemerkt, mit Arbeiten liess sich früher sogar als Student noch relativ einfach Geld verdienen; heute mag das anders aussehen, vielleicht wartet man lieber, bis das Geld von alleine vom Amt kommt). 

So, da wären wir also mit dem Teil. 
Seine bisherigen 45 Berufsjahre als Taschenrechner sieht man ihm nicht an. Finde ich. 

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